Das Element
Der einzige Abschied, der weiterwächst
Erde ist das Element des Bleibens. Sie ist schwer, sie ist langsam, sie
hält fest. Alle anderen Elemente bewegen sich, Wasser fließt, Feuer
verwandelt, Luft trägt fort. Die Erde tut das Gegenteil: Sie nimmt auf
und gibt einen Platz.
Genau das brauchen viele Familien. Nicht, weil sie nicht loslassen
könnten, sondern weil Trauer eine Adresse braucht. Einen Weg, den man
geht. Eine Bank, auf der man sitzt. Etwas, das man tun kann, wenn man
nicht weiß, wohin mit sich: Unkraut ziehen, gießen, im Herbst die
Blätter wegnehmen.
Ein Erdgrab ist die einzige Grabform, die sich verändert.
Im März steht dort etwas anderes als im August. Wer regelmäßig kommt,
sieht diesen Wechsel und das ist der eigentliche Trost dieses
Elements: Es geht weiter, sichtbar, jedes Jahr.
Für uns als Friedhofsgärtner ist Erde außerdem völlig unromantisch:
Sie ist unser Werkstoff. Lehm oder Sand, verdichtet oder locker,
ausgelaugt oder nährstoffreich. Ob eine Grabbepflanzung nach drei
Jahren noch schön aussieht, entscheidet sich nicht am Pflanzplan, es entscheidet sich in den obersten dreißig Zentimetern.