Das Element
Ein Abschied, der weiterzieht
Wasser ist das Element der Bewegung. Es lässt sich nicht festhalten,
nicht besitzen und nicht einzäunen. Wer eine Bestattung im Zeichen des
Wassers wählt, entscheidet sich bewusst gegen einen Ort, den man
besitzt und für ein Bild, das größer ist als jede Grabstelle.
Das ist für Angehörige die schwerste und zugleich die freieste Wahl.
Schwer, weil der Weg zum Grab fehlt. Frei, weil das Gedenken nicht an
eine Adresse gebunden ist: Wer am Meer steht, an einem Fluss, an einem
See, der ist da, wo der Mensch ist.
Deshalb geben wir dem Wasser-Abschied bewusst etwas zum Anfassen.
Streublüten, die man selbst in die Hand nimmt. Einen schwimmenden
Kranz, der sichtbar davonzieht. Eine Schale mit Wasser und Blüten in
der Trauerfeier. Bilder, an die man sich später erinnern kann, weil man
sie selbst gemacht hat.
Und im Alltag der Gärtnerei ist Wasser das Unspektakulärste überhaupt:
Es ist die Kanne, die jemand über ein Grab kippt, an einem Dienstag im
Juli, wenn niemand zusieht. Die stillste Form der Fürsorge, die wir
kennen.